L’océan noir – The black ocean – O oceano negro

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Die Ausstellung von William Adjété Wilson wird im Rahmen des Projekts „375 Jahre Westfälischer Friede – (Post)koloniale Erweiterungen“ im Friedensjahr 2023 von Exil e.V. in Zusammenarbeit mit der Seebrücke Osnabrück und Fridays for Future Osnabrück im MIK Museum Industriekultur gezeigt.

Das aus zahlreichen Stoffbildern genähte Werk des Künstlers wurde mit Hilfe einer Textilkunsttechnik aus der Heimat seines togolesischen Vaters gefertigt, in der sich einst das historische Dahomey-Reich befand. Dieses spielte eine wichtige Rolle im transatlantischen Sklavenhandel. William Adjété Wilson verarbeitet in seinem Werk ein halbes Jahrhundert afro-europäischer bzw. transatlantischer Geschichte.

Die Stoffbilder führen uns von der ersten Begegnung zwischen westafrikanischen Fischern und Kolonisatoren über den transatlantischen Sklavenhandel bis hin zum heutigen Rassismus, den Schwarze Menschen noch immer erleben müssen. Die Ausstellung wird ergänzt durch Tafeln des Eine Welt Netz NRW, die die Verbindungslinien von Sklaverei und Ausbeutung zu heutigen globalen Macht- und Handelsbeziehungen wie auch Fluchtbewegungen verdeutlichen.

Eine Ausstellung von Exil im Programm von „375 Jahre Westfälischer Frieden“
Ausstellungsort: MIK Museum Industriekultur Osnabrück, Haseschachtgebäude, Fürstenauer Weg 171, 49090 Osnabrück

Programm

Ausstellungseröffnung und Erläuterungen durch den Künstler

5. August 15.30 Uhr, Museum Industriekultur, Fürstenauer Weg 171, Osnabrück

William A. Wilson stellt uns die Erzählungen seiner Wandteppiche vor und verknüpft sie mit seiner eigenen biografischen Entdeckungsreise zu seinen Vorfahren in Togo. Anschließend ist Raum für Fragen und Diskussionen. Vortrag und Gespräch werden auf Französisch mit Übersetzer*in geführt.

17.30 Uhr, Eröffnungsfeier mit Live-Musik


Workshop mit William A. Wilson

6. August 10-12 Uhr, Kath. FABI, Große Rosenstr. 16, Osnabrück

Der Künstler bringt uns in diesem Workshop eine von ihm vielfach genutzte Technik näher – die Erstellung von Collagen. Die Teilnehmenden sind eingeladen, entweder persönliche Geschichten, Sprichwörter, eine Erzählung oder (zeit)geschichtliche Ereignisse in ihren Collagen zu illustrieren. Welches Thema ausgewählt wird, entscheidet jede*r selbst.

Anmeldung erforderlich unter ehrenamt@exilverein.de


Podiumsgespräch: Decolonize Osnabrück (?!) Koloniale Vermächtnisse und dekoloniale Erinnerungspraktiken am Osnabrücker Schloss

16. September 19 Uhr, Studierendenzentrum Osnabrück, Kolpingstraße 1a, Osnabrück

Zeitgleich zum Westfälischen Frieden von 1648 kolonialisierte und versklavte Europa weite Teile der Welt. Koloniale Vermächtnisse sind bis heute auch im Stadtbild Osnabrücks sichtbar. Beispielhaft stehen dafür die vier Erdteilallegorien auf der Rückseite des Osnabrücker Schlosses. Wie ist umzugehen mit dem kolonialen Erbe einer Stadtgesellschaft und warum sind dekoloniale Erinnerungspraktiken notwendig? Darüber diskutieren: Osée N’tcha, Arbeit zu postkolonial-afrikanischer Philosophie, Patricia Heller, Leiterin des Referats für Chancengleichheit der Stadt Osnabrück und Suy Lan Hopmann, zuletzt Projektreferentin für die Dekolonisierung Hamburgs bei der Kulturbehörde der Stadt Hamburg. Moderation: Laura Igelbrink, Soziologin und Museumslotsin im Museumsquartier Osnabrück.


Frieden und Flucht – lokale Friedensverständnisse in der postkolonialen Gegenwart

20. September 19 Uhr, Renaissancesaal im Ledenhof, Am Ledenhof 3-5, Osnabrück (Zugang ist nicht barrierefrei)

Was bedeutet Frieden im Zusammenhang von Flucht? Und inwiefern sind (post)koloniale Einflüsse relevant? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Vortrags von Ulrike Krause und Nadine Segadlo von der Juniorprofessur für Flucht- und Flüchtlingsforschung der Universität Osnabrück*). Weltweit tragen Kriege und gewaltsame Konflikte zur Flucht vieler Menschen bei. Diese gewaltsamen Spannungen lassen sich nicht schlicht auf Machtfragen oder unterschiedliche politische Interessen zurückführen, sondern auch auf koloniale Historien und Politiken. Sowohl Fremdherrschaft als auch die langwierigen postkolonialen Folgen prägen Konfliktgeschehen, Fluchtbewegungen wie auch den auf humanitäre Hilfe ausgerichteten Schutz der Menschen. Postkoloniale Beziehungen beeinflussen über politische Entwicklungen hinaus unser Denken. In einer eurozentrischen Denkweise wird Frieden primär als Abwesenheit von Krieg ausgelegt, doch anhand sensibler Forschung mit geflüchteten Menschen in Kenia offenbaren sich vielmehr mannigfaltige Deutungen von Frieden, die deutlich über westliche Perspektiven hinausgehen. Sie deuten Frieden u.a. als soziale Gerechtigkeit, durch persönliche Beziehungen und in zukunftsorientierten Normvorstellungen. Mit dem Vortrag sollen die

Auseinandersetzungen mit Frieden im Jahr des 375-jährigen Friedensjubiläums in Osnabrück um (post)koloniale Perspektive erweitert werden.

*): Forschungsprojekt „Frauen, Flucht – und Frieden? Friedensfördernde Praktiken von Frauen in Flüchtlingslagern“ geleitet von Prof. Dr. Ulrike Krause und gefördert von der Deutschen Stiftung Friedensforschung.


Vortragsveranstaltung mit Serge Palaise: Atlantische Umverteilungsgeschichte aus afropäischer Sicht

28. September 19 Uhr, Museum Industriekultur, Fürstenauer Weg 171, Osnabrück

Ist eine Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Geflüchteten gerechtfertigt? Insbesondere aus Afrika geflüchtete Menschen werden oft abwertend als „Wirtschaftsflüchtlinge“ bezeichnet, die es sich „im gemachten Nest“ auf Kosten der Aufnahmegesellschaft bequem machen wollten. Globale Ungleichheiten und Rollenzuschreibungen, Rassismus oder Klimaungerechtigkeit lassen sich ohne einen Blick auf die Geschichte nicht erklären.  Hier setzt der Vortrag an.

Serge Palasie (Fachpromotor bei „Eine Welt Netz NRW“) ist Afrikanist und befasst sich seit seinem Studium mit der Entstehung des transatlantischen Raums und den damit verbundenen Auswirkungen.


Der Besuch der Veranstaltungen und der Ausstellung ist an den Veranstaltungstagen frei

Die Ausstellung wurde von der Osnabrücker Projektgruppe „375 Jahre Westfälischer Friede – (Post)koloniale Erweiterungen“ von Exil e.V., Seebrücke Osnabrück und Fridays for Future Osnabrück im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Friedensjahr 2023 realisiert mit freundlicher Unterstützung durch das Museum Industriekultur und die Stadt Osnabrück.

Ansprechperson: Lara Benteler, Exil e.V., ehrenamt@exilverein.de, www.exilverein.de

Ausstellungsort: MIK Museum Industriekultur Osnabrück gGmbH, Fürstenauer Weg 171, 49090 Osnabrück, www.mik-osnabrueck.de

Bilder und Zitate mit freundlicher Genehmigung durch den Autor aus William A. Wilson: L’océan noir. Galimard 2009

www.williamadjetewilson.com/locean-noir

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