Kürzungen des Landes bedrohen Osnabrücker Beratungslandschaft


Osnabrück, 9. September 2021. Die niedersächsische Landesregierung plant massive Kürzungen: Die Zuschüsse für die Migrationsberatung sollen um rund 50 Prozent gekürzt werden. In den kommenden zwei Jahren drohen in ganz Niedersachsen rund 100 Stellen verloren zu gehen. Auch Osnabrück ist davon betroffen. Allein bei Exil arbeiten derzeit drei Beraterinnen, die über die Richtlinie Migrationsberatung des Landes finanziert werden. 22 niedersächsische Verbände, Vereine und Migrant*innenselbstorganisationen fordern jetzt in einer gemeinsamen Stellungnahme, das Netzwerk der Migrationsberatung in Niedersachsen zu erhalten. „Für die erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe und den gesellschaftlichen Zusammenhalt aller Menschen braucht Niedersachsen eine Stärkung der Migrationsarbeit. Das Land Niedersachsen muss die Mittel im Bereich Migration und Migrationsberatung aufstocken, statt sie zu kürzen“, sagt Sara Josef, Geschäftsführerin von Exil. „Wenn die geplanten Kürzungen kommen, wird das ein großes Loch in die Osnabrücker Beratungslandschaft reißen“, fürchtet sie.

„Wissen nicht, was wir den Menschen sagen sollen, oder wo wir sie hinschicken sollen“

Gerade in Zeiten von Corona sei das Beratungsnetzwerk ein Auffangschirm für viele Menschen mit Migrationsgeschichte, die unter der Situation leiden. Die Beratungsstellen haben überall weiter hohen Zulauf. „Wir wissen nicht, was wir den Menschen sagen oder wo wir sie hinschicken sollen, wenn wir in Zukunft nur noch mit halber Kraft arbeiten dürfen“. Die Einschnitte würden die Beratungslandschaft in Osnabrück, zu der neben Exil auch die Caritas und Outlaw gehören, radikal verändern und das Unterstützungsangebot für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte stark einschränken.

„Wenn die Zahl der Hauptamtlichen in der Migrationsarbeit reduziert wird, schwächen wir auch die Ehrenamtlichen“

Als Grund für die Kürzungen gibt das Land an, es kämen weniger Geflüchtete nach Deutschland. Das entspricht zwar der Realität, geht aber am Beratungsbedarf vorbei: „Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Integration ein langwieriger Prozess ist, der nicht nach ein paar Jahren abgeschlossen ist. Die meisten unserer Klient*innen haben noch nach mehreren Jahren Beratungs- und Unterstützungsbedarf“, so Josef weiter. Ein weiteres Problem: „Wenn die Zahl der Hauptamtlichen in der Migrationsarbeit reduziert wird, schwächen wir auch das Netz der Ehrenamtlichen, die die Expertise der Beratenden ebenfalls häufig in Anspruch nehmen“.

22 niedersächsische Vereine, Verbände und Migrant*innenselbstorganisationen: „Kürzungen sind ein schwerer Fehler“

In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben dazu gemeinsam mit Exil 21 niedersächsische Vereine, Verbände und Migrant*innenselbstorganisationen – darunter auch der Niedersächsische Flüchtlingsrat: „Während andere Bundesländer die Kürzungen von Bundesmitteln durch eigene Landesmittel ausgleichen, will das Land Niedersachsen massiv streichen. Doch diese Kürzungen wären ein schwerer Fehler. Fatal wären die Kürzungen vor allem für die Menschen, die wir unterstützen und für die wichtige Anlaufstellen wegfallen würden. Denn wir tragen dazu bei, dass Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte gestärkt werden, am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben können und zu ihren Rechten kommen. Unsere Netzwerkarbeit hilft auch mit, die Mehrheitsgesellschaft und ihre Institutionen interkulturell zu öffnen. Vielfach organisieren wir neben unserer hauptamtlichen Arbeit auch unverzichtbare Netzwerke ehrenamtlicher Unterstützung. Wer das Geld für die Migrationsberatung streicht, riskiert soziale Folgekosten. Denn auch eine verweigerte Integration kostet Geld.“