Hilfe für Geflüchtete bei der Jobsuche


Osnabrück, 15. Mai 2020. Rund 9.500 Geflüchtete leben zurzeit in Stadt und Landkreis Osnabrück. Viele von ihnen sprechen gut Deutsch und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Doch auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, schaffen bislang nur wenige. „Häufige Hürden sind die Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen oder lange Wartezeiten auf Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse“, erklärt Sara Höweler, Geschäftsführerin von Exil. „Viele sind trotz guter Qualifikation gezwungen, Beschäftigungen im Niedriglohnsektor anzunehmen. Manchmal mangelt es auch einfach an Selbstbewusstsein oder die möglichen Wege ins Berufsleben sind nicht ausreichend bekannt.“ Mit dem Projekt „QUGMA – Qualifizierung geflüchteter Menschen für den Arbeitsmarkt“ wolle der Verein Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte aus Stadt und Landkreis Osnabrück dabei unterstützen, ihre beruflichen Kompetenzen zu stärken und Arbeit zu finden.

Bewerben für einen der 24 Plätze können sich alle Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte

Berufszweige, in denen aktuell Fachkräftemangel herrscht, nimmt das Projekt besonders in den Blick: „Wir freuen uns zum Beispiel über Anmeldungen von Menschen, die in ihrer Heimat im Gesundheits- und Sozialwesen gearbeitet haben und hier in Deutschland daran anknüpfen möchten“, erklärt Projektmitarbeiterin Ann-Christin Huber. „Die Chancen, in diesem Bereich einen Job zu finden, sind gut.“ Bewerben für einen der insgesamt 24 Plätze können sich alle Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte: Voraussetzung sind Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 oder höher und eine abgeschlossene Schulausbildung. Berufliche Vorkenntnisse sind von Vorteil.

Teilnehmende erhalten die Möglichkeit, ihr berufliches Profil zu schärfen

Insgesamt 15 Monate läuft das Projekt, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert wird. In zwei Durchläufen à zehn Monaten erhalten jeweils 12 Teilnehmende die Möglichkeit, gemeinsam mit den Exil-Mitarbeitenden ihr berufliches Profil zu schärfen. Kooperationspartner sind das Jobcenter Osnabrück und die MaßArbeit kAöR. Die ersten vier Monate geht es um Theorie und Grundlagen: Welcher Beruf passt zu den Teilnehmenden? Wo liegen ihre Stärken? Wie schreibt man einen Lebenslauf? Wie sind die Hierarchien in deutschen Unternehmen? Wie sieht es aus mit der Gleichstellung? Für die optimale Vorbereitung steht berufsspezifisches Vokabular auf dem Lehrplan, außerdem werden EDV-Kenntnisse trainiert.

Jara Hofmann: „Viele stoßen auf sehr viele Hürden, die für sie allein nicht zu bewältigen sind“

„QUGMA ist bereits das dritte Qualifizierungsprojekt, das wir anbieten. Erfahrungsgemäß nehmen daran hochmotivierte Menschen teil, die ihre Kenntnisse, Ausbildungen und ihr Fachwissen gerne einbringen würden, die sich Arbeit wünschen und das nicht nur weil das lebensunterhaltssichernde Einkommen Voraussetzung für eine Niederlassungserlaubnis ist. Viele stoßen auf sehr viele Hürden, die für sie allein nicht zu bewältigen sind. Hier helfen wir“, erklärt Jara Hofmann. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nermeen Alkhodari leitet sie die Kurse, die im Rahmen des Projekts angeboten werden.

Während der vergangenen Wochen gute Erfahrungen mit E-Learning gemacht

Ob das Projekt starten kann, war bis zuletzt unsicher: „Dass wir nun grünes Licht erhalten haben und es trotz der Covid-19-Pandemie im Juni losgehen kann, freut uns sehr“, sagt Kursleiterin Nermeen Alkhodari. Während der vergangenen Wochen habe sie bereits gute Erfahrungen mit E-Learning gemacht. „Das werden wir auch bei QUGMA einsetzen für den Fall, dass die Corona-Maßnahmen wieder verschärft werden.“

Ann-Christin Huber: „Teilnehmende sollen Gefühl entwickeln, welcher Beruf zu ihrer Persönlichkeit passt“

Im zweiten Teil des Projekts – der Praxis-Phase – machen die Teilnehmenden ein dreimonatiges Praktikum und werden anschließend drei Monate lang weiter betreut, um den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen. „Unsere Teilnehmenden sollen ein Gefühl dafür entwickeln, welcher der vorgestellten Berufe am wahrscheinlichsten zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Profil passt. Ziel ist dann die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung“, so Jobcoach Ann-Christin Huber. „Wir wollen ein verlässlicher Ansprechpartner sein und wir wollen unterstützen. Aber noch wichtiger ist es uns, unsere Teilnehmenden in ihrer Selbstbestimmtheit zu stärken, damit sie uns bald gar nicht mehr brauchen“, ergänzt Jara Hofmann.

Anmeldungen für beide Durchläufe sind ab sofort möglich

Die Kurse finden ab dem 22. Juni vormittags von 9 bis 14 Uhr im Gemeindezentrum der Bergkirche in der Bergstraße 16 statt. Wer im ersten Durchlauf keinen Platz bekommt, kann sich schon jetzt auf die Warteliste setzen lassen für den zweiten Durchlauf, der am 23. November beginnt. Anmeldungen nimmt Ann-Christin Huber entgegen, Telefon: 0541 7602448, E-Mail: .