Wolle und Gack: „Fremd ist man nur, solange man sich nicht kennt“


Osnabrück, 25. August 2020. „Fremd ist man nur, solange man sich nicht kennt“ – das ist das Motto eines neuen Projekts, mit dem der Verein Exil und das Musiktheater Lupe für Toleranz an niedersächsischen Grundschulen werben. Herzstück ist der 17-minütige 3D-Spielfilm „Wolle und Gack“ über ein Schaf und ein Huhn, die zu Nachbarn und später zu Freunden werden. „Zu Beginn des neuen Schuljahres haben wir zehn Grundschulen kontaktiert, die wir in den nächsten Monaten besuchen werden“, erklärt Exil-Geschäftsführerin Sara Josef. Den Auftakt mache in der ersten Septemberwoche die Waldschule Lüstringen. An dem mit 43.500 Euro vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie geförderten Projekt können Grundschulen, Bildungs- und Kultureinrichtungen in ganz Niedersachsen teilnehmen. Zielgruppe sind Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren, die sich mit Hilfe des Films in Workshops oder Projektwochen mit dem Thema Toleranz auseinandersetzen. „Mit dem Projekt wollen wir fremdenfeindlichen Tendenzen frühzeitig entgegenwirken und für ein offenes Miteinander werben“, so Josef weiter. „Gerne können sich auch weitere interessierte Schulen und Lehrkräfte bei uns melden. Wir versuchen, weitere Termine möglich zu machen und stellen Film und Begleitmaterialien kostenlos zur Verfügung.“

Film „Wolle und Gack“ regt Kinder zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen an

Für die erfolgreiche Umsetzung ist Exil-Projektleiterin und Medienpädagogin Therese Heise zuständig. Befürchtungen, dass die Covid-19-Pandemie die Projektumsetzung erschweren würde, hätten sich bislang nicht bestätigt. „Alle Lehrenden haben uns berichtet, dass das soziale Miteinander der Schülerinnen und Schüler im Zuge der Pandemie erschwert wurde. ‚Wolle und Gack machen Theater‘ ermöglicht den Klassen, ihre Gemeinschaft zu stärken und während der letzten Monate zu kurz gekommene soziale Aktivitäten nachzuholen“, erzählt Heise. Gemeinsam mit dem Musiktheater Lupe erarbeitet sie mit den teilnehmenden Schulklassen und Kinder-Gruppen den Umgang mit dem Verschieden-Sein: „Welches Kind kennt das Gefühl nicht? Wir finden jemanden komisch, weil er oder sie anders ist als wir. Genau diese oftmals für beide Seiten unangenehme Situation bildet die Grundlage für unser Projekt.“ Der Film rege die Kinder zur Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, Ängsten und Vorurteilen an. Diese thematisieren Heise und das Musiktheater Lupe anschließend in angeleiteten Übungen: „Das Besondere an ‚Wolle und Gack machen Theater‘ ist die Kombination aus Integrationsarbeit, kultureller Bildungsarbeit und Medienkompetenzförderung“, sagt Heise. Alle drei Bereiche seien hochaktuell und von großer gesellschaftlicher Bedeutung. „Kinder begegnen ihrer Umwelt mit einer gewissen Urtoleranz. Diese wollen wir stärken – sei es für das soziale Miteinander, für den Umgang mit fremden Kulturen oder im gesellschaftlichen Zusammenleben, real und virtuell“, so Heise weiter.

Theaterpädagogik für Kinder mit Sprachbarrieren oder traumatischen Erlebnissen

In die Rolle des Schafs „Wolle“ schlüpft dafür Musiktheater Lupe-Darstellerin Tine Schoch. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katrin Orth, die „Gack“ verkörpert und Regisseur Ralf Siebenand hat sie die Figuren Wolle und Gack entwickelt. „Ein Schaf und ein Huhn kennt fast jeder. Die meisten Kinder und Erwachsenen wissen, wie Schafe und Hühner aussehen, wo sie leben und was sie fressen“, erläutert die Schauspielerin die Wahl der Tiere. „Wir möchten die Kinder darin bestärken, aktiv an dem Projekt mitzuwirken, sich zu öffnen und entsprechend ihrer eigenen Fähigkeiten kreativ zu werden“, beschreibt Schoch die Konzeption der Workshops. Dafür schlüpfen sie oder ihre Kollegin Katrin Orth in ihre Kostüme. Gerade für Kinder mit Sprachbarrieren oder traumatischen Erlebnissen biete die theaterpädagogische Herangehensweise eine Chance: „Manchmal fällt es leichter, die eigene Geschichte aus Sicht eines Schafs oder eines Huhns darzustellen.“

Videos, Audio-Dateien, Bastel- und Malvorlagen: Webseite zum Projekt seit dieser Woche online

Für die weitere Umsetzung des Projekts freut sich Exil über Unterstützung: „Aktuell haben wir dreißig Moderationskoffer, die wir an Schulen und Bildungseinrichtungen verteilen können. Um weitere Koffer und Materialien finanzieren zu können, freuen wir uns über Spenden“, sagt Exil-Geschäftsführerin Sara Josef. Pädagog*innen und Eltern, die sich für das Projekt interessieren, erfahren auf wolle-und-gack.de mehr über den Film: Auf der am 24. August veröffentlichten Webseite finden sie Angebote, Informationen und Wissenswertes rund um die Themen Antidiskriminierung und Toleranz. Für Kinder gibt es einen eigenen Bereich mit Videos und Audio-Dateien sowie Bastel- und Malvorlagen. Interessierte können sich auch per E-Mail an oder telefonisch an Therese Heise wenden: 0151 53544331.