Flagge zeigen: Exil unterstützt Aktion der Seebrücke Osnabrück


von Laura Baumann

Seit 32 Jahren setzt sich Exil dafür ein, dass Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte menschenwürdig und angstfrei in Osnabrück leben können. Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass Menschenrechte für alle gelten und wir sind entsetzt über deren Verwehrung und sogar aktive Aberkennung durch die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Unser Verein steht für die Pflicht der Seenotrettung von Menschen in Not und unterstützt deswegen die Fahnenaktion der Seebrücke Osnabrück. Seit dem Europatag am 9. Mai hängt ein Banner mit der Aufschrift „Seenotrettung jetzt!“ jeweils eine Woche deutlich sichtbar an öffentlichen Orten in der Stadt und macht so auf die Notwendigkeit der Seenotrettung aufmerksam. „Osnabrück hat 2018 mit dem Ratsbeschluss, „sicherer Hafen“ zu werden, Stellung bezogen und einen ersten Schritt getan, jetzt zeigen wir weiter Flagge“, bekräftigt Sara Höweler, Geschäftsführerin von Exil. Erschrocken sei sie zum Beispiel über die heutige Meldung, dass die italienische Regierung die Rettung von Migrant*innen auf dem Mittelmeer als „Schritt für mehr Sicherheit“ unter Strafe stellt. Zwischen 10.000 und 50.000 Euro müssen private Rettungsschiffe künftig zahlen, wenn sie mit geretteten Passagier*innen trotz Verbot in italienische Hoheitsgewässer fahren.

Seit 2014 sind mehr als 18.000 Menschen auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Diese entsetzlich hohe Zahl ist auch darauf zurückzuführen, dass die europäischen Regierungen verstärkt Maßnahmen ergreifen, um die Arbeit der auf dem Mittelmeer tätigen NGOs zu behindern. Mit dem günstigeren Sommerwetter wird die Zahl der Flüchtlingsboote wieder zunehmen und damit auch die Zahl der Toten.

„Für mich jedenfalls ist am jetzigen Punkt der Diskussion eine Grenze überschritten worden, die niemand mehr ignorieren kann, dem Menschlichkeit, Humanität oder Nächstenliebe etwas bedeuten. Hier geht es nicht mehr um die Frage, ob und wie viele Menschen Europa „aufnehmen“ kann. Darüber können wir geteilter Meinung sein. Nicht aber über die Frage, ob wir Menschen vor unserer „Haustür“ ertrinken lassen“, so Höweler weiter. Nachdem die Toten im Mittelmeer lange Zeit aus den Schlagzeilen verschwunden waren, ist es richtig und gut, dass unter dem Stichwort „Seebrücke“ wieder Menschen auf die Straße gehen und zahlreiche Organisationen aus der Zivilgesellschaft „Flagge zeigen“.