Familie G. bleibt: Ausbildungsduldung bringt Wende

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Familie G. bleibt (Name redaktionell geändert) – Symbolfoto.

Erfolgsgeschichten aus 35 Jahren Exil: Gute Beratung verhilft Familie zu sicherem und eigenständigem Leben in Deutschland

„Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, erinnert sich unsere langjährige Beraterin für Flüchtlings- und Migrationsrecht. Auf eigenen Wunsch möchte sie anonym bleiben, daher nennen wir sie im folgenden Franziska B.* „Familie G.* ist mir besonders im Gedächtnis geblieben und noch heute freue ich mich, wenn alle mal wieder vorbeischauen. 2017 sind wir uns zum ersten Mal begegnet“, erinnert sich Franziska. „Es war viel los an diesem Tag. Der Flur vor meinem Büro war fast voll besetzt. Ich öffnete die Tür und bat Vater und Mutter G. herein. Beide waren Anfang und Ende 30 und sprachen erstaunlich gut Deutsch“. Vater G. begann zu erzählen: „Wissen Sie, meine Frau und ich lieben unser Land. Es ist unser Zuhause. Der Ort, an dem unsere ganze Familie wohnt. Meine Mutter, Schwiegermutter, meine vielen Geschwister und deren Kinder. Aber es ist auch ein Ort, an dem anders Denkende verfolgt werden. Wir wollten ihnen doch nur helfen und haben uns deswegen für verfolgte Minderheiten eingesetzt. Daraufhin wurden wir selbst verfolgt. Weil wir schon viel gesehen und erlebt hatten und wussten, wozu solche Leute fähig sind, haben meine Frau und ich beschlossen, mit unseren drei Kindern nach Deutschland zu fliehen.“

Der Asylantrag war schon gestellt

„Wir wollen unsere Kinder in Sicherheit wissen, deswegen haben wir auch schon einen Asylantrag gestellt.“ Stolz ergänzt Frau G: „Mein Mann und ich, wir haben beide eine Ausbildungsstelle. Ich werde Erzieherin und mein Mann wird als Krankenpfleger im Krankenhaus arbeiten, dann können wir in Deutschland bleiben.“ Da wurde Franziska B. hellhörig. Sie wusste, dass sie nach geltendem Recht aus einem vermeintlich „sicheren Herkunftsland“ kamen. Was bedeutete, dass ein Asylantrag so gut wie keine Chance auf einen positiven Ausgang hatte. Die deutsche Regierung hatte beschlossen, das Herkunftsland von Familie G. pauschal als sicher einzustufen – trotz der dortigen Verfolgung von Minderheiten und Menschen, die sich für Minderheiten einsetzen. Das hätte die Erfolgsaussichten auf Schutz in Deutschland für Vater und Mutter G. fast zunichte gemacht. Gewaltandrohung, Verfolgung, Schläge, Folter und Mord sind für Menschenrechtler auch heute noch bittere Realität und gängige Praxis im Herkunftsland der Familie.

„Sie hätten in ein Land zurückgemusst, in dem ihr Leben bedroht gewesen wäre“

Das hätte nicht nur massive Konsequenzen für die Ausbildung und die voranschreitende Integration bedeutet, sondern auch für die Sicherheit aller Familienmitglieder. Wären die Asylanträge der Familie abgelehnt worden, hätten die Eltern ein generelles Arbeitsverbot erhalten. Damit hätten sie Deutschland verlassen müssen. Alle Beteiligten mussten schnell handeln, um das abzuwenden. Durch die Hilfe und Unterstützung von Exil und Franziska konnte die Familie den Asylantrag schnellstmöglich zurückziehen. Zusammen haben sie dann eine Ausbildungsduldung beantragt – dem Antrag wurde erfolgreich stattgegeben. So konnte Familie G. eine Sicherheit vor Abschiebung ermöglicht werden, die gleichzeitig auch ihre berufliche Zukunft und damit ihr Leben in Deutschland sicherte.

„Beeindruckender Wille, hier in Deutschland ein gutes Leben aufzubauen“

Die gute Beratung und der erfolgreiche Antrag gaben Familie G. die nötige Sicherheit, um ihr Leben in Deutschland weiter aufzubauen. Franziska B. und Exil blieben an ihrer Seite, halfen bei allen weiteren Integrationsschritten und dabei, ein neues Zuhause in guter Nachbarschaft zu finden, bei Behördengängen und beim Vertiefen der deutschen Sprachkenntnisse. „Nachhaltig beeindruckt hat mich das große Engagement von Vater und Mutter G., sowie der unbedingte Wille, hier in Deutschland ein gutes Leben für sich und ihre Kinder aufzubauen“, erinnert sich Franziska B. Beide Elternteile sprechen mittlerweile fließend Deutsch und die drei Kinder besuchen den Kindergarten und die Schule. Mutter G. hat mittlerweile ihre Ausbildung als Erzieherin abgeschlossen und der Vater seine Lehre als Pflegeassistent beendet. Beide Elternteile wurden übernommen und sichern den Lebensunterhalt für sich und ihre drei Kinder ohne den Bezug von Sozialleistungen.

Beratung bei Exil noch nicht beendet – Nächstes Ziel: Einbürgerung

Für Familie G. läuft es sehr gut. Seit fünf Jahren leben sie jetzt schon in Deutschland und haben alle einen Aufenthaltstitel. Sie fühlen sich sicher, sind sozial gut vernetzt und haben eine Arbeit in Bereichen mit großer Nachfrage und somit langfristiger Arbeitsperspektive. Damit werden sie voraussichtlich alle Bedingungen erfüllen, um als deutsche Staatsbürger*innen eingebürgert zu werden. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun und zu leisten. Wir von Exil beraten und unterstützen Familie G. weiter, ihren Weg so erfolgreich zu gehen, wie sie es bisher getan haben. Dafür wünschen wir Familie G. weiterhin alles Gute!


* Name redaktionell geändert

In der Reihe „Menschen im Exil“ stellen wir anlässlich unseres 35-jährigen Bestehens Menschen vor, die wir durch unsere Arbeit dabei unterstützen konnten, in Deutschland nach ihrer Flucht wieder Fuß zu fassen und in Osnabrück einen Ort zum Zuhause-Fühlen zu finden. Das hätten wir ohne das Mitwirken unserer Mitglieder, Ehrenamtlichen und Spender*innen nicht geschafft. Dafür sagen wir ganz herzlich Danke!

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