Die Stadt aus Kindersicht: SpürnOSes präsentieren Ratsmitgliedern ihre Bedarfe, Wünsche und Ideen für die Stadt Osnabrück

Haben ihre Stadt im Blick: Die Osnabrücker Kinder Muhammed, Ward, David, Milena und Mira (v.l.) präsentierten gemeinsam mit Therese Sextro (links) und Ceyda Güler (mitte) von Exil e.V. ihre Wünsche für mehr Teilhabe in der Friedensstadt.

Zum Abschluss des Projekts SpürnOSes stellen die Grundschulkinder ihre Sicht auf die Stadt Osnabrück im Rathaus vor

Am Dienstag, den 29. September fand im Osnabrücker Rathaus ein besonderes Zusammentreffen statt: Vor der regulären Sitzung des Stadtrats haben fünf junge Osnabrückerinnen und Osnabrücker im Alter von neun und zehn Jahren interessierte Ratsmitglieder im Sitzungssaal Justus Möser begrüßt. Die Kinder haben in den vergangenen Jahren am Exil-Projekt SpürnOSes teilgenommen und durften nun die Sicht von Grundschulkindern sechs Osnabrücker Schulen auf das Leben als Kind mit Migrations- und Fluchtgeschichte in der Stadt Osnabrück präsentieren.

Jede Woche erkundeten die Kinder ihre Stadt

Aufgeregt beobachten Ward, Mira, Milena, Muhammed und David, wie die Mitglieder des Osnabrücker Stadtrats den Sitzungssaal betreten. Gekommen sind die lokalen Politikerinnen und Politiker, um den jungen Schülerinnen und Schülern im Namen von über 160 Osnabrücker Kindern Gehör zu schenken. Präsentiert werden Ideen, Wünsche und Bedarfe für mehr Teilhabe von Kindern, insbesondere mit Flucht- und Migrationsgeschichte, in der Stadt Osnabrück. Im Rahmen des Projekts SpürnOSes – Wir sind Osnabrück haben Ward, Mira, Milena, Muhammed und David mit weiteren Grundschulkindern an den wöchentlichen SpürnOSes-AGs teilgenommen. Gemeinsam mit dem Exil-Projektteam wurden Stadtteile erkundet, Ausflüge in lokale (Kultur-) Einrichtungen unternommen und beispielsweise Schwimm- und Musikkurse besucht. Dies haben die Kinder selbst mit Fotos, Videos und Interviews dokumentiert. „Das Projektziel ist vorrangig, Osnabrücker Kindern, die bisher nur wenig Zugang zu externen Angeboten haben, niedrigschwellig an Aktivitäten in der Stadt heranzuführen“, berichtet Projektinitiatorin Therese Sextro. Dazu gehöre auch die gemeinsame Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, um den Kindern Wege aufzuzeigen, die sie auch über das Projekt hinaus eigenständig nutzen könnten. „Außerdem wollten wir unsere Erfahrungen aus dem Projekt als Bedarfe festhalten. Was brauchen Kinder, um unabhängig von sozialer oder kultureller Herkunft aktiv am Osnabrücker Stadtleben teilnehmen zu können?“, so Sextro.

Schenken den Bedarfen von Kindern in Osnabrück Gehör: die Ratsmitglieder Dr. Diana Häs (GRÜNE), Jens Meier (GRÜNE), Birgit Strangmann (GRÜNE), Susanne Hambürger dos Reis (SPD), Kerstin Lampert-Hodgson (SPD), Volker Witte (SPD) und Dr. Henry Gehrs (LINKE) sind der Einladung der jungen Exil-SpürnOSes Mira, Ward, Muhammed, Milena und David gefolgt.

Das wünschen die Kinder sich für Osnabrück

Diese Erfahrungen sollen nun an die Lokalpolitik übermittelt werden. Mit den Überschriften „Läuft bei uns“, „Das gibt Minus-Aura“ und „Das wär‘ ein Flex“ erklären die fünf jungen Sprecherinnen und Sprecher des Projekts SpürnOSes, was aus ihrer Sicht aktuell gut für Kinder in Osnabrück funktioniert, was dringenden Optimierungsbedarf hat und was sie selbst sich konkret wünschen. Sie kritisieren beispielsweise defekte Ampeln auf Schulwegen, viel Müll auf Spielplätzen und fehlenden Zugang zu (lokalen) Freizeitangeboten, zum Beispiel, weil die Eltern die Informationen dazu schlichtweg nicht erhalten oder verstehen können. „Ich fand den Ausflug in den botanischen Garten toll“, erzählt Ward, der die vierte Klasse besucht. „Meine Familie und ich wussten gar nicht, dass es so etwas in Osnabrück gibt.“ Außerdem ein großer Wunsch bei fast allen SpürnOSes-Kindern: geringere Eintrittskosten. „Es ist schade, dass wir so viele Sachen nicht machen können, weil sie zu teuer sind“, erklärt die neunjährige Milena. Eine Idee sind Gutscheine oder Coupons für Grundschulkinder oder auch stadtteilbezogene Ermäßigungen. Ebenfalls „Minus-Aura“ gebe es für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. „Manche AG-Angebote mussten einfach ausfallen, weil Busse nicht gekommen sind oder uns an der Haltestelle stehen gelassen haben“, berichtet Sextros Projektkollegin Ceyda Güler. „Es ist schwer, Kinder davon zu überzeugen, mit dem Bus eigenständig Aktivitäten aufzusuchen, wenn sie sich nicht auf die Anbindungen verlassen können“, so Güler. Dies sei vor allem für die Kinder der Grundschule Eversburg ein großes Problem gewesen.

Viel positive Resonanz für das Projekt SpürnOSes

Bei einem Thema sind sich alle jungen Teilnehmenden der SpürnOSes-AGs einig: Alle Kinder sollten die Chance bekommen, an dem Projekt teilzunehmen. „Ich würde immer wieder die AG besuchen, wenn ich könnte“, sagt Ward. Die anderen vier nicken. „Manche Orte kannten wir vorher gar nicht, aber wegen SpürnOSes wissen wir jetzt, dass es dort Angebote für uns gibt“, ergänzt der zehnjährige David. Auch das Exil-Team habe immer wieder Anfragen für eine Projektfortführung erhalten. „Kinder, Lehrkräfte, Mitarbeitende der Schulsozialarbeit, von allen haben wir dasselbe Feedback bekommen: Bitte kommt wieder, wir haben Bedarf“, sagt Güler. „Leider werden immer mehr Fördermittel auf Bundes- und Landesebene eingestampft und wir stehen vor der Herausforderung, Fortführungen oder neue Projekte dieser Art zu finanzieren“, erklärt Sextro. Das Team freue sich daher umso mehr über den Zuspruch der Zielgruppe und der lokalen Politik.

Unterstützt die Idee des Exil-Projekts SpürnOSes und das Engagement der Kinder: Oberbürgermeisterin Katharina Pötter mit den Projektteilnehmenden Milena, David, Mira, Muhammed und Ward und dem Projektteam Ceyda Güler (links) und Therese Sextro (rechts) von Exil e.V.

Politik ganz nah erleben

Die anwesenden Ratsmitglieder der SPD, GRÜNE und LINKE zeigen sich nicht nur beeindruckt von dem Projekt, sondern vor allem von dem Mut und den Argumentationen der Kinder. „Ich finde es ganz toll, dass ihr an dieser AG teilgenommen habt und euch mit diesen Inhalten beschäftigt“, lobt die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Hambürger dos Reis. „Wir werden eure Themen mit in unsere jeweiligen Fraktionen nehmen und schauen, wo wir ansetzen können.“ Versprechen könne man zwar nichts, aber die Interessen der Kinder seien wichtig für die Stadt und verdienten mehr Aufmerksamkeit. 

Zum Abschluss gibt es noch ein Gruppenfoto mit allen anwesenden Ratsmitgliedern und Einzelfotos mit Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. „Gerade haben wir sie noch auf einem Plakat gesehen und jetzt steht sie neben uns“, freut sich die neunjährige Mira. Im Sachkundeunterricht stehe gerade das Thema Osnabrück auf dem Stundenplan, sodass sie und ihre Klassenkameradin Milena sich bestens auskennen. Stolz verabschieden sich die Kinder von den lokalen Abgeordneten. „Das war so cool“, sagt Muhammed. „Viel besser als mein Fußballspiel, dass ich dafür ausfallen lassen habe.“

Das Projekt SpürnOSes – Wir sind Osnabrück! wird gefördert durch die Aktion Mensch und die Osnabrücker Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung. Wer Interesse hat, mehr über das Projekt SpürnOSes und die Bildungsarbeit des Osnabrücker Vereins Exil e.V. zu erfahren, ist herzlich eingeladen, Kontakt mit Therese Sextro, therese.sextro@exilverein.de, aufzunehmen.

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