Gesichter des Vereins: Elisabeth Corbo

Elisabeth Corbo

Seit zwei Jahren gehört Elisabeth Corbo bei Exil zum Team „Familienzusammenführung“. Zeitgleich promoviert Elisabeth, die bereits das Erste Juristische Staatsexamen absolviert hat, an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und wird dort in Kürze ihre Dissertation einreichen. Warum Elisabeth nebenbei bei Exil arbeitet, verriet sie Klaus Stakemeier.

Klaus: Elisabeth, du hast bereits vor zwei Jahren begonnen, dich für den Familiennachzug einzusetzen, und das ehrenamtlich. Seit einem Jahr arbeitest du im Projekt „Familien zusammenführen – Integration stärken“ mit. Hatten deine Erziehung, Schulbildung oder dein Jura-Studium Auswirkungen auf dein jetziges Engagement für den Familiennachzug oder warum interessiert dich das Thema?

Elisabeth: Ich hatte schon seit Längerem den Wunsch, mich ehrenamtlich zu engagieren. Durch Internet-Recherche bin ich dann auf Exil gestoßen und habe mich für die Beratung zum Familiennachzug gemeldet, weil mir dieses Thema besonders am Herzen liegt. Außerdem bin ich der Meinung, dass der Familiennachzug auch für eine erfolgreiche Integration besonders wichtig ist.

Klaus: Du arbeitest im Team „Beratung zur Familienzusammenführung“, das Annika Hesselmann leitet. Zwei aus eurem Team bieten auch Sprechstunden in einigen Orten des Landkreises an, zudem gehört ein Übersetzer fürs Arabische dazu. Ihr habt aber auch ein Übersetzerpool für verschiedenste Sprachen hinter euch. Wie müssen wir uns eure Arbeit vorstellen und wie sieht speziell deine Arbeit aus?

Elisabeth: Unsere Arbeit untergliedert sich in Beratungstätigkeit und Nacharbeit. Dabei können die Ratsuchenden in den offenen Sprechstunden zu uns kommen und sich über den aktuellen Sachstand ihres Verfahrens, Schwierigkeiten und Chancen ihres individuellen Familiennachzugs informieren. Unterstützt werden diese Beratungen von Sprachmittlern, so dass wir – unsere eigenen Sprachkenntnisse einbezogen – auf Englisch, Französisch, Kurdisch und Arabisch kommunizieren können. Den Ratsuchenden die Möglichkeit zu geben, sich während der Beratung in ihrer Muttersprache verständigen zu können, finden wir besonders wichtig. Deshalb sind die Übersetzer auch ein ganz besonders wichtiger Teil unseres Teams; ohne sie könnten wir nicht so beraten, wie wir es tun. Im Rahmen der Nacharbeit nehmen wir dann Kontakt mit den Behörden auf, buchen Termine in den Auslandsvertretungen, füllen Anträge aus und fertigen Schreiben an, wenn in bestimmten Konstellationen beispielsweise das Vorliegen eines besonderen Härtefalles zu begründen ist. Insbesondere bei typischen juristischen Fragestellungen oder Problemen ist es dann meine Aufgabe, hierzu zu recherchieren, oder entsprechende Anträge vorzubereiten. Einmal wöchentlich treffen wir uns außerdem zur Besprechung in unserem kleinen Team, tauschen unsere Kenntnisse aus und erörtern besonders knifflige Fälle. So versuchen wir, für jede*n Ratsuchende*n, die beste Lösung zu finden. Aber natürlich haben wir damit nicht immer Erfolg. Am schwierigsten ist es für mich, wenn ich Menschen sagen muss, dass der gewünschte Familiennachzug – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich ist.

Klaus: In Osnabrück berät neben Exil auch der Caritasverband zur Familienzusammenführung. Gibt es denn in Stadt und Landkreis so viele Anfragen zum Familiennachzug?

Elisabeth: Ja, die gibt es. Im Großen und Ganzen gibt es nach wie vor viele Menschen, die den Nachzug ihrer Familien wünschen. Außerdem wird mit den zunehmend restriktiven Regelungen zum Familiennachzug auch unsere Arbeit vor immer neue Herausforderungen gestellt und insgesamt auch umfangreicher. Gerade die Neuregelung zum Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wird vermutlich dazu führen, dass wir für einzelne Verfahren deutlich mehr Zeit und Arbeit investieren müssen.

Klaus: Was meinst du, wird jetzt mit der Tausend-pro-Monat-Regelung, die seit dem 1. August gilt, auf euch zukommen?

Elisabeth: Diese Neuregelung wird unsere Arbeit verkomplizieren. Es ist beispielsweise noch unklar, wie wir alle entscheidungsrelevanten Informationen an die jeweils zuständigen Stellen leiten können, damit diese für die Entscheidung, welche Familie nachziehen darf, berücksichtigt werden. Hier fehlt es uns noch an Erfahrung und wir sind sehr gespannt, wie die Umsetzung dieser Neuregelung unsere Beratungspraxis verändern wird.

Klaus: Glaubst du, dass Exil insgesamt den Anforderungen der jetzt sehr umfangreich gewordenen Integrationsarbeit gerecht werden kann? Mit dieser Frage bedanke ich mich für deine Auskünfte.

Elisabeth: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich denke, dass Exil mit seinen verschiedenen Projekten und Teams viele wichtige Bereiche abdeckt und im Rahmen der personellen Möglichkeiten sehr gute Integrationsarbeit leistet. Ich bin aber auch der Auffassung, dass wir diese Aufgabe nicht alleine bewältigen können. Hier ist jede*r Einzelne gefragt, im Rahmen ihrer*seiner Möglichkeiten einen Teil zur Integration beizutragen. Die Auswahl, wie Integration gefördert und unterstützt werden kann ist riesig. Wichtig ist nur, sich überhaupt einzubringen; denn Integration betrifft uns alle und – wenn sie gelingt – bereichert sie uns auch alle.

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