Fridays for Future: Rede von Tim Zumloh


Liebe Mitstreitende!

Einmal mehr beweisen wir, beweist ihr, dass Protest sich lohnt: Weltweit gehen Menschen heute auf ihre Straßen; und nicht nur die Bundesregierung verhandelt zunehmend hektisch über Klimaschutzpolitik. Allen ist klar, es muss was passieren. Das alles verdanken wir der Fridays for Future-Bewegung: Danke für euren Langmut und euren Einsatz auch gegen viele Widerstände!

Also ganz kurz: Wir sind gebeten worden in aller Kürze etwas zu Migration und Flucht und Klimaerwärmung zu sagen. Nun, dafür sind wir keine Experten und das Thema ist sehr komplex. Was wir aber sicher sagen können – und das selbe hat Greta Thunberg vorgestern vor dem US-amerikanischen Kongress gesagt –: Wir fordern eine Politik, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. Die Klimafrage ist keine ideologische Frage; es gibt in diesem Bereich grundsätzlich kein Für und Wider zu diskutieren, sondern es ist sonnenklar, was zu tun ist: Verringerung von Treibhausgasen und Umweltschutz. Ganz einfach.

Stattdessen schützen die politisch Verantwortlichen ein globales Ausbeutungssystem. Ausgebeutet werden natürliche Ressourcen und ausgebeutet werden Menschen. Die Ausbeutung der Ressourcen beraubt vieler Menschen ihrer Lebensgrundlage. Die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft beraubt Menschen ihrer Freiheit, Gesundheit und Würde. Nur Migration kann diese Menschen dann vor dieser Ausbeutung schützen.

Dem jedoch stehen abgeschlossene Nationalstaaten im Weg. Und es sind diesselben Nationalstaaten, die diese Migration durch ihr mit allen Mitteln durchgesetztes, brutales Wirtschaftssystem überhaupt erst ausgelöst haben. Die wenigen, die es in einen der Industriestaaten des Nordens geschafft haben, müssen sich dann hier allen Ernstes fragen lassen, warum sie denn gekommen sind.

Für Tausende Andere sind unsere Grenzen tödlich. Mindestens 14 426 sind seit 2014 allein im Mittelmeer ertrunken. Ja es stimmt: Grenzen schützen unsere Ordnung. Aber was ist das für eine Ordnung?

Es ist eine Ordnung, in der Profite wichtiger sind als Menschen. Seenotretter*innen werden angeklagt und blockiert, und VW gibt es immer noch.

Es gibt keinen Schutz des Klimas ohne den Schutz von Menschenrechten. Und diese Menschenrechte, sie müssen die Grundlage unseres Zusammenlebens sein. Wir müssen auch heute noch dafür eintreten, dass diese Menschenrechte für alle gelten. Denn nur so viel sind diese Menschenrechte wert, wie sie die Schwächsten schützen.